Gründaumen–Partisanen in Stuttgart

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Guerilla-Gardening mit demenzbetroffenen Menschen

Schon mal von Guerilla Gardening gehört? Das ist ein Teil jener „Begrünungsbewegung“, die sich seit geraumer Zeit in den urbanen Zentren ausbreitet. Der domestizierte Arm, das ‚Urban Gardening’, stellt so etwas wie das recycelte, in die Stadt zurückgeholte, politisierte und kollektivierte Laubenpiepertum des 21. Jahrhunderts dar. Beim ‚Guerilla Gardening’ handelt es sich um den der freien Aktion von unten verpflichteten Flügel dieser ökologischen Re-Kultivierung des urbanen Raums. Die erste „grüne Zelle“ wurde kürzlich in Stuttgart aktiv. Comandante Heike Degen-Hientz, ihres Zeichens Aromatologin und Leiterin einer Betreuungsgruppe für demenzbetroffene Menschen in Stuttgart-Mitte, hat uns freundlichwerweise den folgenden „Steckbrief“ zur Verfügung gestellt.

Guerilla-Gardening-Projekt der Betreuungsgruppe von demenzbetroffenen Menschen in Stuttgart-Mitte

Guerilla Gardening bzw. Guerilla-Gärtnern bedeutet selbstinitiativ Verkehrsinseln, Grünstreifen, öffentliche Plätze, verwahrloste Blumenbeete, ungenutzte Pflanzenkübel oder städtische Brachflächen zu bepflanzen.
Ziele: Verschönerung der Umgebung, Unterstützung der Artenvielfalt (Hummeln, Bienen, Schmetterlinge etc.), viele Pflanzen bedeuten zudem mehr CO2-Absorption.
Das mögliche „Waffenarsenal“: Lavendel, Fetthenne, Kapuzinerkresse (robuste Pflanzen wählen!), Wiesenblumensaat, Duftpflanzensamen und anderes.
Was es noch braucht: 1 kleine Schaufel, 1 oder 2 kleine Gießkannen (oder Wasserflasche), 1 Müllsack (zum Aufsammeln von Pflanzenresten und Hundekot) sowie eine Prise Zivilcourage, Schalk und Freude an Pflanzen.
Grundsatz: Immer einen Ort in einem besseren Zustand verlassen als man ihn vorgefunden hat.
Prinzip Freiwilligkeit: Alle Gäste entscheiden frei über ihre Teilnahme und können noch während der Aktivitäten ihre Beteiligung ablehnen. Auch nonverbale Signale werden seitens der Betreuenden sehr ernst genommen. (Selbstbestimmungsfähigkeit muss noch vorhanden sein – Anfangsstadium der Demenz)
Erste Aktion: am 02. Mai 2011, Start: 14.30h, Einpflanzung von 6 blühenden Lavendelstöckchen im Stuttgarter Zentrum und Säen von Wiesen-sowie Duftblumen an verschiedenen Orten.
Höhepunkte am 02. Mai 2011: Einer Gruppenteilnehmerin, die nie an Spaziergängen teilnimmt, war diese Aktion so sehr wichtig, dass sie sich dem gemeinsamen Vorhaben anschloss. Ein weiterer Gast des betreuten Nachmittgs wünschte sich eine Einpflanzung an einem Ort, wo sie sich immer besonders wohlfühlt (Motiv Dankbarkeit).
Metaziel: Menschen mit Demenz in ihren Interessen und Vorlieben, ihrem Wunsch nach sinnvollem Tun und in ihrer Autonomiefähigkeit unterstützen.
Übrigens: Sollte es wider Erwarten bei einer solchen Aktion Probleme mit Personen des Gartenbauamts geben, sind die Betreuenden angehalten, alle Gruppenteilnehmer/-innen unverzüglich aus der „Konfliktzone“  wegzuführen, während die Gruppenleitung sich der Situation stellt.
Wie Sie unsere Aktionen unterstützen können: Wir freuen uns am meisten über sogenannte „Samenkugeln“-Spenden (z.B. erhältlich bei Manufaktum, Stuttgart)
Quellen
www.guerillagaertner.comwww.guerillagardening.comwww.gruenewelle.org
Literatur: Reynolds, Richard: Guerilla Gardening – Ein botanisches Manifest, Freiburg 2010

Kontakt:
Heike Degen-Hientz (Leitung Betreuungsgruppe Stuttgart-Mitte)
info(at)aromatologie-und-gesundheit.de