Auf dem letzten Forum der Alzheimergesellschaft fragte ein Angehöriger einen leitenden Mediziner einer großen Klinik, warum denn ein bestimmtes Medikament verabreicht werde, wenn es doch gar nicht wirke. Darauf der Facharzt: Wenn es nach ihm ginge, würde er gar keine Medikamente geben. Die Gefahr der Nebenwirkungen ist viel zu hoch. Das nenne ich "Erfolg"...
Frühwarnsystem für Pflegemissstände?
Wie steht es um die Würde von Pflegebedürftigen in Altenheimen? Im Youtube-Kanal von Kukuk-TV ist ein Gespräch dokumentiert, das Peter Wissmann (Vorstandsmitglied bei Aktion Demenz e.V.) geführt hat mit Armin Rieger und Claus Fussek.
Armin Rieger leitet selbst ein Seniorenheim und Claus Fussek, Diplom-Sozialpädagoge, weiß aus erster Hand, welche Missstände in vielen Pflegeheimen vorherrschen. Regelmäßig bekommt er Berichte von Pflegekräften und Angehörigen zugeschickt. "Es kann nicht sein, dass bei Hitze im Sommer in deutschen Pflegeheimen Leute vor unserer aller Augen nicht genug zu Trinken bekommen. Einen Tierpark würde man schließen, wenn so etwas wäre", erzählt er.
Auch Armin Rieger zieht einen drastischen Vergleich. "Jeder Gefangene hat das Recht auf eine Stunde Hofgang und mehr. Manche demenziell veränderte alte Menschen werden irgendwann im 2. Stock weggesperrt und können maximal noch im Gang auf- und abgehen."
Was sind die Ursachen für diese Zustände? Wie hängt dies mit der Ökonomisierung der Pflegeanbieter und dem Pflegenotstand zusammen? Und warum schweigen die meisten Pflegekräfte, Politiker, Kirchen und Menschenrechtsorganisationen, statt etwas zu ändern?
Trotz allem gibt es auch positive Beispiele und Lösungsansätze, wie die Würde von Pflegebedürftigen gewahrt werden kann. Armin Rieger und Claus Fussek betonen die Rolle der Kommunen und fordern ein System, in dem Pflege vor Ort und mithilfe von Patenschaften durchgeführt wird. Engagierte Bürger könnten so ein Frühwarnsystem darstellen, damit Pflegemissstände gar nicht erst entstehen.
